Musik

Im Wasgenwald tönte der Abendwind.
Ich ging in Straßburgs Sommerstraßen.
Vom Wasgenwald wehte Musik über Dächern,
daß alle die Giebel und blanken Zinken
erglühend zitterten.

Ums Münster aber war die Luft von Purpur.
Hier, auf den Flügeln des Westes herübergekommen,
hier sank das Lied der rot erstaunten Wälder
herab, hier wo Musik in Steinen wohnt.

Ihr großen Wälder mit den alten Stämmen
und Felsen, rauh gezackt, dämmernde Dörfer,
so tief versenkt in roter Nebel Flut,
und Wohlgerüche, die der Abend atmet.

Also voll Süße war das Spiel der Lüfte,
daß ich, nachlauschend dem Verklungenen,
hier mitten im bunten Kreisen der Stadt,
nur unter Tannen schritt, die waldig wogten,
nur Büsche glühen sah und Johanniswürmer,
und vor mir, der ich folgte, solch ein Mädchen,
das wie aus Tau gebaut war.

Und fern ein Licht, mein Haus, darin ich feiern würde
ein Fest der Sommerliebe bei rotem Wein
und leisem Geigenstreichen.

Ja deine Lippen dufteten so nach Harz
und feuchten Gräsern, die ein Reh zerknickt.
Ja du warst süß und berauschend wie das Lied,
das von den rot geschauten Bergen vorhin
in meine Adern gezittert ist.