Gesänge an Berlin

1 O du Berlin, du bunter Stein, du Biest. Du wirfst mich mit Laternen wie mit Kletten. Ach, wenn man nachts durch deine Lichter fließt Den Weibern nach, den seidenen, den fetten.

Der Barbier des Hugo von Hofmannsthal

So steh ich nun die trüben Wintertage Von früh bis spät und seife Köpfe ein, Rasiere sie und pudre sie und sage Gleichgültge Worte, dumme, Spielerein. Die meisten Köpfe sind ganz zugeschlossen. Sie schlafen schlaff. Und andre lesen wieder Und blicken langsam durch die langen Lider, Als hätten sie schon alles ausgenossen. Noch andre öffnen …

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Der Ausflug

Du, ich halte diese festen Stuben und die dürren Straßen Und die rote Häusersonne, Die verruchte Unlust aller Längst schon abgeblickten Bücher Nicht mehr aus.

Der Athlet

Einer ging in zerrissenen Hausschuhen Hin und her durch das kleine Zimmer, Das er bewohnte. Er sann über die Geschehnisse, Von denen in dem Abendblatt berichtet war. Und gähnte traurig, wie nur jemand gähnt, Der viel und Seltsames gelesen hat – Und der Gedanke überkam ihn plötzlich, Wie wohl den Furchtsamen die Gänsehaut Und wie …

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Angst

Wald und Flur liegt tot in Schutt und Scherben. Himmel klebt an Städten wie ein Gas. Alle Menschen müssen sterben. Glück und Glas, wie bald bricht das.

Der Angetrunkene

Man muß sich so sehr hüten, daß man nicht Ohn jeden Anlaß aufbrüllt wie ein Tier. Daß man der ganzen Kellnerschaft Gesicht Nicht kurz und klein haut, übergießt mit Bier.

Ärgerliches Mädchen

Es ist schon spät. Ich muß verdienen. Aber die gehn heute alle vorbei mit blasierten Mienen Nicht einen Glücksgroschen wolln sie mir geben. Es ist ein jämmerliches Leben. Komme ich ohne Geld nach Haus, Wirft mich die Alte hinaus. Fast kein Mensch ist auf der Straße mehr. Ich bin todmüde und friere sehr.

Abschied

Wohl war ganz schön, ein Jahr Soldat zu sein. Doch schöner ist, sich wieder frei zu fühlen. Es gab genug Verkommenheit und Pein In diesen unbarmherzgen Menschenmühlen.