Graf Richard Ohnefurcht

1 Graf Richard von der Normandie Erschrak in seinem Leben nie. Er schweifte Nacht wie Tag umher, Manchem Gespenst begegnet’ er, Doch hat ihm nie was Graun gemacht Bei Tage noch um Mitternacht. Weil er so viel bei Nacht tät reiten, So ging die Sage bei den Leuten: Er seh’ in tiefer Nacht so licht, …

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Reisen

Reisen soll ich, Freunde! reisen, Lüften soll ich mir die Brust? Aus des Tagwerks engen Gleisen Lockt ihr mich zu Wanderlust? Und doch hab ich tiefer eben In die Heimat mich versenkt, Fühle mich, ihr hingegeben, Freier, reicher, als ihr denkt.

Ritter Paris

Paris ist der schönste Ritter, Alle Herzen nimmt er hin. Jede Dame kann’s beschwören An dem Hof der Königin. Was der schönen Siegeszeichen Warf das Glück in seinen Schoß! Briefe, die von Küssen rauschen, Locken, Ringe, zahlenlos. Allzu leichter Siege Zeichen! Ungebetnes Minneglück!

Der nächtliche Ritter

n der mondlos stillen Nacht Stand er unter dem Altane, Sang mit himmlisch süßer Stimme Minnelieder zur Gitarre. Dann auch mit den Nebenbuhlern Hat er tapfer sich geschlagen, Daß die hellen Funken stoben, Daß die Mauern widerhallten.

Nachruf

Noch ist kein Fürst so hochgefürstet, So auserwählt kein ird’scher Mann, Daß, wenn die Welt nach Freiheit dürstet, Er sie mit Freiheit tränken kann, Daß er allein in seinen Händen Den Reichtum alles Rechtes hält, Um an die Völker auszuspenden So viel, so wenig ihm gefällt.

Mailied

Wenig hab ich noch empfunden Von der werten Frühlingszeit; All die Lust und Lieblichkeit Hat zu mir nicht Bahn gefunden. Ach! was soll ein Herz dabei, Das sich so zerrissen fühlet? Jetzt empfand ich erst den Mai, Seit der Sturm in Blüten wühlet.

Lauf der Welt

An jedem Abend geh ich aus, Hinauf den Wiesensteg. Sie schaut aus ihrem Gartenhaus, Es stehet hart am Weg. Wir haben uns noch nie bestellt, Es ist nur so der Lauf der Welt.