Albrecht Dürer

 

Von Albrecht Dürer hat sicher jeder eine Vorstellung, zumindest von seinen Bildern. Der am 21. Mai 1471 in Nürnberg geborene Maler, Grafiker, Mathematiker und Kunsttheoretiker Albrecht Dürer vermittelt in seinen Werken eine Ansprache, die noch immer fasziniert. Allgegenwärtig sind seine Selbstporträts (z. B. „Selbstbildnis mit Landschaft“ von 1498, welches eine deutsche Gründlichkeit mit italienischer Verspieltheit kombiniert, in welchem italienische Einflüsse klar zu erkennen sind, ohne dass Dürer italienische Meister kopiert), seine Zeichnung vom Hasen („Feldhase“ von 1502) oder die Zeichnung von betenden Händen („Betende Hände“ um 1508). Dürer war ein bedeutender Künstler in der Zeit des Humanismus und der Reformation, er war innovativ und entwickelte den Holzschnitt und Kupferstich weiter. Albrecht Dürer kann als ein Universalkünstler wie Raffael und Leonardo da Vinci gesehen werden, der sich eben nicht nur der Malerei zuneigte.

Die Suche nach der Schönheit

Neben vielen unterschiedlichen Motiven widmete sich Dürer auch dem Akt als Genre. Der im Laufe seiner Karriere immer selbstbewusster werdende Dürer schuf zahlreiche Selbstporträts, darunter auch ein Akt-Selbstbildnis („Selbstportrait als Akt“, Zeichnung in Feder und Pinsel auf grün grundiertem Papier). Das zwischen 1500 und 1512 entstandene Werk präsentiert einen unverkrampften Dürer ohne falsch verstandene Scham. Im Gegensatz zu Christusdarstellungen Düreres zeichnet er sich im Selbstporträt ohne Lendentuch.

 

 

Dürers wohl bekannteste Aktbilder sind die beiden lebensgroßen Bilder von Adam und Eva, mit deren Bearbeitung er nach seiner zweiten Venedigreise 1507 begann; sie stehen als kunsttheoretische Beispiele für die Suche Dürers nach Schönheit. Dürer hebt die beiden Figuren aus dem christlichen Kontext heraus, ohne sie jedoch komplett zu lösen. In einer detaillierten Art sind die Referenzen zu den göttlichen Verboten enthalten, daneben kristallisiert sich jedoch noch ein zweiter Ansatz heraus: Eva spielt mit ihren erotischen Reizen. Ein Interpretationsansatz liegt dabei in der Umbruchzeit, in der Dürer lebte und wirkte. Umbrüche und Verwerfungen erlauben neue Handlungs- und Interpretationsmöglichkeiten von alten Motiven. Die Renaissance und Reformation werfen ihr Licht voraus. Die beiden Originaltafeln (Öl auf Kiefer, 209 cm x 81 cm bzw. 209 cm x 83 cm) befinden sich heute im Prado in Madrid und können dort besichtigt werden.

Diesen Bildern vorangegangen ist Dürers Kupferstich von Adam und Eva aus dem Jahre 1504. Hier versieht er die Figuren mit den idealen Proportionen eines Menschen und wählt dafür Adam und Eva, die, da er sie den antiken Göttern Apoll und Venus nachempfindet, wie sie ihre Nacktheit in paradiesischer Unschuld vor dem Sündenfall zur Schau stellen. Der Kupferstich ist das Ergebnis Dürers jahrelangen Auseinandersetzung mit der Proportionslehre, welche er auch in seiner Schrift „Vier Bücher von menschlicher Proportion“ festhielt. Seine Erforschung der menschlichen Proportion mittels Mathematik und Geometrie in Kombination mit italienischen Einflüssen der bildenden Kunst, schuf Dürer so eines der ersten Aktbilder nördlich der Alpen. Dürer beeinflusste mit dieser Aktdarstellung vieler Künstlergenerationen, so seien hier einige aus dem 20. Jahrhundert genannt, wie Salvador Dalí, Paul Wunderlich, Pierre-Yves Trémois oder Frank Kortan.