Aubrey Beardsley

 

Nur sechs kurze Jahre lang währte das intensive künstlerische Schaffen von Aubrey Beardsley. Dennoch wäre der Jugendstil ohne ihn undenkbar gewesen. Der hagere, ernste, düster blickende Mann, der 1896 in die Kameralinse schaut, war ein überaus fleißiger britischer Grafiker und Illustrator. Er karikierte auch gerne und dichtete gelegentlich.

Frühes Künstlerleben

Aubrey Beardsley wurde 1872 in Brighton, East Sussex geboren. Die wohlhabende Familie verlor ihr Vermögen, als Aubrey noch ein Kind war. Der größte Familienreichtum waren nun zwei hochbegabte Kinder, die zunächst als musikalische Wunderkinder galten. Aubrey war ein zartes, kränkelndes Kind. Er hatte Tuberkulose. Schon früh übte er sich im karikieren, schrieb Theaterstücke und eignete sich autodidaktisch künstlerische Techniken an. Die schlechte Gesundheit tat seinen künstlerischen Ambitionen keinen Abbruch, wohl aber dem eben eingeschlagenen Berufsweg. Mit Abendkursen an der Westminster Abendschule kam er weiter, nachdem er einem einflussreichen Mäzen ins Auge gefallen war.
Ersten Ruhm erntete Beardsley, als er die umstrittene erotische Zeitschrift “The Yellow Book” mit herausgab. Er wusste zu dieser Zeit bereits, dass er eines Tages der Schwindsucht erliegen würde. Das hatte frenetische Kreativitätsschübe zur Folge, wo Schonung sicher klüger gewesen wäre. Erotische Inhalte interessierten Beardsley auch nach dem Eingehen des “Yellow Book” weiter. Damals wie heute galt: Je heftiger und lauter die Kritik auf vermeintlich pornografische Inhalte ausfiel, desto interessanter und beliebter wurden diese beim Publikum. Seine letzten Lebensjahre verbrachte Aubrey Beardsley in Frankreich, wo er mit nur 25 Jahren der Tuberkulose erlag.

 

 

Erotisches von Aubrey Beardsley

Die Einflüsse aus damaligen japanischen Holzschnitten sind in manchen von Beardsley Werken, die häufig in schwarzer Tinte ausgeführt wurden, unverkennbar. Berühmte Nachahmer wurden Franz von Bayros, Harry Clarke oder zeitweise auch Heinrich Vogeler.
Beardsleys erotische Novellen sind heute praktisch vergessen. Dank seiner Beliebtheit wurden aber Beardsleys Bilder umso lieber karikiert oder gefälscht. Die minderwertige Qualität der Fälschungen zeigt allerdings Aubrey Beardsleys Kunstfertigkeit besser, als man es beschreiben könnte. Unter den zu Lebzeiten angefertigten 1000 Illustrationen, ExLibris, Buchvignetten, Karikaturen, Plakaten und Buchtillustrationen fallen viele erotische Motive auf. Die kurze Bekanntschaft mit dem ebenfalls homosexuellen Oscar Wilde war nicht so bedeutend, die mancher es sehen möchte. Beardsleys konnte auch in seinen erotischen Skizzen und Bildern die karikaturistische Ader nicht immer verleugnen. Ein gewisses Quäntchen Groteske floss häufig ein. Monumentale Phalli und verzerrte Grimassen kamen nicht selten vor. Ihm ging es folglich nicht um eine möglichst naturalistische Abbildung, sondern um eine perfektionierte Darstellung phantastischer Welten mit grafischem Charakter.
Möglicherweise hat er seine erotischen Phantasien, die er aufgrund seiner Schwindsucht nie ausleben konnte, zu Papier gebracht. Beardsley gilt bis heute als Meister der Tintenzeichnung.