Egon Schiele

 

Egon Schiele, geboren in 1890 in Tulln an der Donau, hatte eine sehr bewegte Kindheit. In der Schule wurde früh sein Talent zum Zeichnen entdeckt und bereits mit 16 Jahren besuchte er daraufhin die Wiener Akademie der Künste. Mit einigen Kommilitonen gründete er die Wiener Neukunstgruppe.

Mit 17 Jahren hatte Schiele ersten Kontakt zu Gustav Klimt. Als 19-jähriger stellte er in einer großen Kunstschau seine Bilder und Zeichnungen gemeinsam mit Klimt und Oskar Kokoschka aus, die ihm einen ersten Erfolg brachten. Klimt hatte einen ganz anderen Malstil und völlig andere Themen als Schiele. Beide beschäftigten sich jedoch neben einer gewissen Angst zum Leben mit dem Thema der Erotik. Während Klimt einen eher geordneten und dekorativen Stil verfolgte, war Egon Schiele fiebrig und besessen, um weibliche Akte auf das Papier zu bringen. Sowohl fremde Personen als auch die eigene Lebensgefährtin standen ihm Modell.

Schiele gehörte damit zu einer Künstlergeneration, die sich im ersten Jahrzehnt des neuen Jahrhunderts ungestüm zu Wort meldete. Diese Künstler besaßen das siegessichere Sendungsbewusstsein jugendlicher Revolutionäre und vertrauten dementsprechend auf die elementaren, instinkt- und triebbestimmenden Kräfte des Lebens. Diese Generation strotzte nur so von Lebensfreiheit und wollte sich wie die zuvor 1905 entstandene Kunstgruppe ‘Die Brücke’ von älteren Kräften befreien. Gleichwohl besaßen diese jungen Künstler einen hohen geistigen Anspruch an das eigene bildnerische Tun und Denken. 1918 starb Schiele in Wien an den Folgen der Spanischen Grippe, einer Epidemie-Grippewelle, die über ganz Europa hinweg ging und an der kurz zuvor auch seine Frau starb. Egon Schiele schuf in seinem kurzen Leben über 350 Gemälde und rund 2800 Aquarelle und Zeichnungen.

 

 

Schieles Malstil erotischer Akte

Egon Schiele malte in den Jahren 1910 bis 1914 unermüdlich Porträts seiner Lebensgefährtin, mal bekleidet mal nackt. Neben männlichen und weiblichen Modellen holte sich Schiele auch Kinder als Aktmodelle in seine Wohnung. Er wurde deswegen verleumdet und wegen Verführung Minderjähriger angeklagt. Bereits während der Untersuchungshaft stellten sich diese Anschuldigungen als unbegründet heraus und so wurde er nur wegen Verbreitung unsittlicher Zeichnungen verurteilt.

Die Aktdarstellungen von Egon Schiele sind äußerst offen und freizügig. Während die Gesichter teilweise wie abgeschnitten, also nebensächlich zu sein scheinen, malte er expressiv und sehr deutlich die weiblichen Brüste und die Vulva. In den Kreidezeichnungen hob er den Mund, die Brustwarzen und die Schamlippen expressiv mit rotem Stift heraus, so als ob ihn diese Stellen des weiblichen Körpers besonders anziehen würden. Teils offen, wie im Bild “Weiblicher Akt” mit Tusche, Tempera und Aquarell auf Papier (1910) oder aber halb bekleidet wie im Bild “Liegende Entblößte” (1916), in der die Frau den Oberkörper mit Stoff umhüllt hat, hingegen offen ihre intimste Körperzone präsentiert, scheint ein gewisser Voyeurismus im Spiel zu sein. Schieles Aktbilder sind teils mit zerrissener, unruhiger Art gemalt und so dramatisch akzentuiert, als ob die Figuren knapp aus einer Bewegung heraus in diese “Gerade-Jetzt-Pose” hingerückt wären.

Beim Anschauen der Zeichnungen ist man fasziniert von der Impulsivität, wobei diese eher auf den Maler zurück zeigt als auf den posierenden Akt. Keine der Zeichnungen oder Bilder ist als pornografisch anzusehen, eher als ein Abbild der seelischen Verfassung und dem Suchen des Künstlers nach der eigenen Einstellung zum Leben.