Eugene Delacroix

 

Man würde Eugene Delacroix nicht gerecht, würde man ihn als reinen Aktmaler bezeichnen. Er konnte und wollte viel mehr. Gleichwohl haben Akte in seiner Malerei eine hohe Bedeutung gehabt. Während sein Freund Jean Louis Durieu Aktfotografien anfertigte, malte Eugene Delacroix die Modelle seines Freundes.

Frühe Künstlerjahre

Delacroix wurde 1798 geboren und starb 1863. Er gilt als impressionistischer Wegbereiter und einer der bedeutendsten Maler Frankreichs. Oft als Romantiker tituliert, sah er sich ganz anders. Seine Ausstellungen im Pariser Salon waren nicht wohlgefällig, sondern erregten die Gemüter. Ob sein Vater tatsächlich der berühmte Talleyrand war, lassen wir einmal dahingestellt. Delacroix studierte Kunst in Paris und galt bald als einer der führenden romantischen Maler. Das behagte Delacroix nicht. Er erweiterte seine Themenpalette durch Studienreisen, bekam aber auch Staatsaufträge, die ihn finanziell gut dastehen ließen. Neben den Auftragsmalereien führte er akribisch Tagebuch.
Er malte so, dass er selbst Matisse und Cezanne inspirierte. Außerdem war er ein hervorragender Zeichner, der sich gerne mit dem menschlichen Körper befasste. Delacroix liebte Michelangelos Darstellungskunst. Er nutzte aber den nackten menschlichen Körper nicht zur Darstellung von Schönheit, sondern zur Illustration der menschlichen Abgründe. Seine Akte sind nicht vordergründig erotisch. Er benutzt vielmehr häufig die erotische Ausstrahlung nackter Personen, um die Verworfenheit der Menschen darzustellen. Damit schockierte er die Pariser Kunstwelt regelmäßig.

 

 

Malerische Leidenschaft

Eugene Delacroix hatte ein leidenschaftliches Naturell. Seine Modelle dienten ihm lediglich zum Skizzieren, dann mussten sie das Atelier verlassen. Ganz konnte Delacroix das schwärmerische Wesen eines Romantikers nicht leugnen. Umso mehr mühte er sich, vielseitiger wahrgenommen zu werden. Romantische Anklänge sind in all seinen Akten zu finden, auch jenen, die keinem politischen Zweck dienen.
Er malte halbnackte Odalisken im Halbschlaf und weibliche Aktmodelle, die sich lasziv auf einem Diwan räkelten. Frauen in einem türkischen Bad faszinierten ihn genauso wie eine unbekleidete Frau, die von hinten getötet wurde und mitten im Zusammensacken von ihm verewigt wurde. Delacroix malte nicht das, was andere von ihm erwarteten und was seine Kollegen malten.
Sein Malstil, seine Farbwahl und das Licht, das seinen Aktbildern Tiefe gab, beeinflussten viele Maler. Es steht zu vermuten, dass Delacroix nicht frei von einem Interesse an Sexualität war, aber der eigentliche Zweck seiner Akte war ein anderer: Es ging ihm um Farbe, Lichteinwirkung und romantisierende Darstellung. Seine “Andromeda” von 1852 oder “Mademoiselle Rose” von 1817 verdeutlichen das.

Andere Sujets

Neben Aktmalerei waren aber auch Landschaften und Tierdarstellungen das Metier von Eugene Delacroix. Es wäre zu kurz gegriffen, wollte man seine Aktmalerei betont in den Vordergrund stellen. Was ihn berühmt gemacht hat, ist eben sein gesamtes Werk.