Félicien Rops

 

Félicien Rops kommt 1833 im belgischen Namur zur Welt. Nach seiner Ausbildung an der Akademie der Schönen Künste von Namur als Maler, Lithograf, Zeichner und Illustrator arbeitet er als freischaffender Künstler. Am bekanntesten sind seine Gravuren und Aquatinta-Radierungen. Durch die Beschäftigung mit der Ätzgravur schafft er einen neuen eigenen Stil mit der Weichgrundätzung. Rops illustriert viele Texte zeitgenössischer Schriftsteller, wie Charles Baudelaire und andere Autoren, die sich der Literaturbewegung des Symbolismus und der Dekadenz verschrieben haben. Die Arbeiten und Gedichte der Schriftsteller sind eine Kritik am sittlichen Verfall der Gesellschaft in der Mitte des 19. Jahrhunderts und so illustriert Rops diese Texte ergänzend mit religiösen und sinnenfreudigen Bildern.

 

 

Aktzeichnungen von Félicien Rops im Stil des Symbolismus

Im Mittelpunkt seiner Illustrationen stehen Abbildungen von zumeist nackten Frauen, die teils mit verborgener, teils offener Erotik spielen. Rops ist ein Anhänger und überzeugter Verfechter der freien Kunst. So artikuliert er über seine Zeichnungen den Protest gegen die Missstände in der Zeit um 1860. Er sieht einen Verfall des mitmenschlichen Umgangs und einen heraufkommenden Weltschmerz. In den Gedichten, Romanen und Pamphleten seiner Schriftstellerfreunde kommt die Kritik an den Sitten der Zeit bereits vielschichtig zum Ausdruck. Rops überhöht diese Kritik noch durch seine hinzugefügten Illustrationen. Mit dem Bild ‘Appell an die Massen’ (1878) malt er eine Frau die sich mit entblößtem Po dem Betrachter zuwendet. Dieses und andere Werke des Malers Rops sind extrem realistisch und einzigartig ästhetisch in ihrer künstlerischen Darstellung durch die Technik der Weichgrundätzung. Diese strahlt eine Sanftheit aus, obwohl das Sujet und die Aussage eindeutig kraftvoll sind.

Mit gekonnter Kaltnadel- und Aquatinta-Technik zelebriert Rops geradezu seine Aktbilder wie das Bild ‘Pornocrates’ (1896), in dem im unteren Bildteil teils betextete und illustrierte symbolische Zeichnungen eingebunden sind. Sie zeigen die Mutlosigkeit und Melancholie der schönen Künste wie Literatur, Musik und Bildhauerei. In späteren Jahren wird seine Kritik an der sozialen Dekadenz und der Religion noch deutlicher. Er wählt Sujets wie ‘Die Versuchung des Heiligen Antonius’ (1878), welches eine nackte, lächelnde Frauenschönheit zeigt die am Kreuz hängt. Jesus wird links und der Teufel rechts in symbolischer Dreieinigkeit hinter dem Kreuz schwebend abgebildet. Gottvater im Vordergrund schlägt die Hände über dem Kopf zusammen.

Die Aktbilder von Félicien Rops weisen auf eine innere Zerrissenheit hin. Einerseits bewegt sich diese Haltung zwischen den christlich-geistigen Idealen, dargestellt in engelhaften Wesen, die seine nackten Frauen umschweben und andererseits ist sie den Mächten des Dunklen in Form gemalter Totenköpfe zugewandt, die das Dunkle und den Tod symbolisieren. Durch die weichen, fast schwebend gehaltenen Flächen mittels der Weichgrundätzung weisen die Illustrationen eine magische Tiefe auf und machen sie für den Betrachter sehr anziehend.

Das Talent von Félicien Rops verschafft ihm die Anerkennung vieler Künstler. Er wird in Paris sehr bekannt und lernt Charles Baudelaire kennen. Für ihn gestaltet er das Frontispiz (Buchillustration neben der Titelseite), unter anderem zu den heftig verurteilten Gedichten mit dem Titel ‘Fleurs du mal’ (deutscher Titel: ‘Die Blumen des Bösen’). Félicien Rops lebt in seinen letzten Lebensjahren auf einem Landgut in der Nähe von Paris, wo er 1898 stirbt.