Francisco de Goya

 

Francisco de Goyas Vater war Vergolder, der zusammen mit Malern und Stukkateuren Kunstwerke für Kirchen erschuf. Daher war dem Sohn die Nähe zur Kunst bereits in die Wiege gelegt. Eine Zukunft konnte er in dem väterlichen Beruf aber nicht finden. Die Auftragslage war schlecht.

Künstlerische Frühphase

Goya ließ sich bei einem Barockmaler ausbilden und ging anschließend nach Madrid. Obwohl er bald Hofmaler wurde, verlief sein künstlerisches Leben nicht geradlinig. Er war ständig in Konflikte mit der Kunstakademie verwickelt, es mangelte an lukrativen Aufträgen. Intriganten unter den Hofmalern machten das Leben schwer.
Zunächst fertigte Goya religiöse Motive, Adelsporträts und Tapisserieentwürfe. 1792 wurde er in Folge einer Erkrankung taub. Etwa um diese Zeit kann man eine Änderung seiner künstlerischen Ausrichtung bemerken. Er befreite sich zunehmend von höfischen Pflichten und verfolgte eigene Interessen. Neben politischen und sozialen Gegebenheiten seiner Zeit beschäftigte ihn auch das andere Geschlecht. Das brachte ihm eine Vorladung spanischer Inquisitoren ein.
Die “Nackte Maja”, das erste bekannt gewordene Aktbild Spaniens, auf dem weibliches Schamhaar zu sehen war, missfiel der Kirche. Goya hatte das Bild so konstruiert, dass man mit Hilfe eines Scharniers eine bekleidete Maya davor klappen konnte. Er geriet auch in Misskredit, weil er Verfehlungen der Kirche porträtierte.

 

 

Die nackte Maja

Um nicht politisch verfolgt zu werden, wanderte Goya nach Frankreich aus. Dort starb er 1828. Er ist heute nicht vorrangig als Aktmaler bekannt. Trotzdem hat Goya die Aktmalerei beeinflusst. Die Darstellung der unbekleideten Schönen in lasziv-entspannter Pose gibt einige Rätsel auf. Hat Goya sie vielleicht für einen Auftraggeber angefertigt, der im Geheimen erotischen Phantasien frönen wollte? Oder stellten die bekleidete und die dahinter zu sehende nackte Dame eine Geliebte dar? Gerüchte besagten, dass es sich um ein Bild der damaligen Herzogin von Alba handelte, mit der Goya behauptetermaßen ein Verhältnis hatte. Ähnliche Fragen interessierten seinerzeit auch die Inquisition. Man wollte wissen, wer dieses als obszön angesehene Bild beauftragt hatte. Goyas Rechtfertigung wurde nicht überliefert.
Verurteilt wurde er damals nicht, dufte wegen des Skandalmotivs aber auch kein Hofmaler mehr sein.

Heute glaubt man, dass Francisco Goya mit seinem Bild seinem Kollegen Diego Velasquez eine Antwort auf dessen züchtig von hinten zu sehende “Venus vor dem Spiegel” geben wollte. Diese galt damals als erotisches Nonplusultra. Trotz aller Unverhülltheit stellte sie eher allegorisch das Weibliche dar, während Goya eine Frau so realistisch malte, wie er sie sah: Ohne jede Verbrämung und Verhüllung. Warum das ein Skandal war, kann man heute nicht mehr nachvollziehen. Es war wohl nicht die Nacktheit an sich, die seinerzeit aneckte, sondern die Art, wie sie dargestellt wurde.