Franz von Bayros

 

Der Grafiker und Buch-Illustrator Franz von Bayros – geboren 1866 in Zagreb und gestorben 1924 in Wien – hatte viele Facetten. Frivolitäten fanden sich in seinem Werk unter anderem, weil er Aubrey Beardsley verehrte.

Die Anfangsjahre

Damals wie heute war es für einen Künstler schwer, seine Werke an den Mann zu bringen. Bayros illustrierte bevorzugt literarische Klassiker der erotischen Literatur. Er begleitete die Texte mit feinfühligen, zuweilen auch mit deftig-launigen Illustrationen. Ungewöhnlich ist, dass Bayros auch Sado-Maso-Motive darstellte, was in der damaligen Zeit gewagt war. Als Künstler galt Bayros als geradezu begnadet. Ihm lag das Zeichnen seit der Kindheit im Blut – und der Hang zu sinnlichen Motiven wohl auch. An der Wiener Akademie lernte er bei zwei Historienmalern, später unterrichteten ihn Porträt- oder Landschaftsmaler. Bayros lebte wie ein Bohèmien.
Seine erste Ehe mit einer Stieftochter von Johann Strauß ging gründlich schief. Der Umzug in die damalige Kunsthochburg München brachte ihm endlich die Impulse, die er brauchte. Er selbst bezeichnete es als eine Art zweiter Geburt. Der Weg zum künstlerischen Erfolg schien geebnet. Damals konzentrierte Bayros sich vornehmlich auf Buchillustrationen und Exlibris. Zugleich wurde er durch seine feinfühligen erotischen Illustrationen bekannt. Bayros schaffte es, dem Thema künstlerische Feinheiten zuzuordnen, die begeisterten. 1911 muss er München aber verlassen, weil er wegen allzu großer Direktheit der Zensurbehörde ins Auge gefallen war.

 

 

Schwierige Jahre

In Wien blieb Bayros trotz seiner Umstellungsschwierigkeiten, weil der Krieg ausbrach und seine Auswanderung nach Rom verhinderte. Die anfangs schlechte Auftragslage zermürbte ihn, die zunehmende Identifikation mit Werten des deutschen Reiches rächte sich aber schlimmer. 1918 erlitt Bayros einen psychischen Zusammenbruch. Erst die illustratorische Arbeit an Dantes “Göttlicher Komödie” riss ihn aus der Depression. Der Erfolg kehrte zurück, macht sich wegen der Inflation aber nicht finanziell bemerkbar. Die fieberhafte Arbeit am Dante-Werk hatte den Künstler ausgezehrt. Er musste jedweden Auftrag annehmen, um zu überleben. Eine Gehirnblutung beendet 1924 das Leben von Bayros. Was Franz von Bayros bis dahin an erotischen Illustrationen zu Papier gebracht hatte, erfreut noch heute die Liebhaber der Aktzeichnung und Buchillustration. Bayros schaffte es, einem an sich schlüpfrigen Thema künstlerische Aspekte abzugewinnen, die jeden Zweifel an seinen Intentionen überwanden. Seine stilistische Anlehnung an die Jugendstilmaler war unverkennbar. Lustvoll ausgestaltete Details, frivole Posen und viel nackte Haut sind zu sehen – aber niemals gerät eine Illustration in die Nähe der Pornografie. Das erstaunt, denn Franz von Bayros übte sich thematisch nicht in Zurückhaltung. Selbst SM-Motive dienten ihm dazu, sein Talent zu entwickeln. Bayros war durch und durch Künstler, den immer das künstlerische Moment interessierte. Allzu Gewagtes veröffentlichte er unter einem Pseudonym.