Gustave Courbet

 

Gustave Courbet (1817-1877) war einer der bedeutendsten Maler und Mitbegründer des französischen Realismus. Er begann zunächst eine Ausbildung zum Juristen, widmete sich jedoch anfänglich parallel, später vollständig dem Zeichnen und Malen. Im Alter von 21 Jahren zog er nach Paris. Seiner Familie gegenüber gab er zwar vor, sich weiter der Rechtslehre zu widmen, tatsächlich aber nahm er Malunterricht.
Der politisch aktive Künstler stand in regem Austausch mit Künstlerkollegen wie Edouard Manet oder dem jungen Claude Monet.

Zwei Drittel seiner Gemälde widmete Courbet landschaftlichen Darstellungen, vor allem solcher seiner Heimat. Wie viele andere Realisten liebte er es, im Freien zu malen.

 

 

Courbet und die Aktmalerei

Dennoch avancierte er ausgerechnet mit einem Aktgemälde zu einem der bedeutendsten Malern des Realismus: „Der Ursprung der Welt“ (1866).
Das Bild konzentriert sich auf die Darstellung der Vulva einer mit gespreizten Beinen nackt auf dem Bett liegenden Frau. Die Scham ist geschickt im goldenen Schnitt platziert. Das üppige, dunkle Schamhaar zieht den Blick auf sich. Es steht in extremem Kontrast zum ansonsten sehr hell gehaltenen Bild. Auch die Linienführung des Leintuchs und der Körperlinien führen den Betrachter dorthin, wo der Maler ihn haben will: zum Ursprung nicht der Welt, sondern der Lust – Courbet liebte Skandale, inszenierte sie geradezu und machte sie zum Sprungbrett seines Erfolges.

Akte finden sich bereits in seinem frühen Werk. Zunächst noch als Beiwerk, wie z.B. im Bild „Das Atelier des Künstlers“ (1855). Das Werk zeigt ein nacktes Modell inmitten einer Gruppe von Menschen, die sich in der Werkstatt eines Künstlers versammelt haben. Später wurde er immer expliziter. Geschäftstüchtig wie Courbet war, widmete er viele seiner Gemälde der weiblichen Schönheit: Die Bilder fanden reißenden Absatz.

Viele der Akte entstanden in den 60er-Jahre des 19. Jahrhunderts. Bevorzugt hält er die Schönheit von Frauen mit langem, welligem Haar fest: Die „Frau mit Papagei“ (1866) oder die „Frau mit weißen Strümpfen“ (1862).
Oft platziert er seine Modelle in der Natur, etwa im Wasser stehend, wie z.B. „Die Frau in den Wellen“ (1868) und auch im Gemälde „Die Quelle“ (1868).
Seine Darstellungen sind körperbetont, die holde Weiblichkeit steht im Mittelpunkt der Bilder. Dabei begnügt er sich nicht nur mit Einzeldarstellungen. In „Die Schläferinnen“ zeigt Courbet zwei eng umschlungene, auf dem Bett liegende Frauen beim Liebesspiel – skandalös für die damalige Zeit.

„Ich kenne mein Land, und ich male es“, soll Courbet gesagt haben. Wer Courbet „live“ kennen lernen möchte, besuche am besten das Musée d’Orsay in Paris oder das zwischenzeitlich aufwendig zum Museum umgebaute Geburtshaus Courbets in Ornans.