Michelangelo Buonarotti

 

Michelangelo di Lodovico Buonarroti Simoni (geboren am 6. März 1475 in Caprese, gestorben am 18. Februar 1564 in Rom) erlernte bereits als Junge bei Domenico Ghirlandaio in Florenz die Grundlagen der Freskomalerei. Bald wurde er von Meister Domenico für die von Lorenzo di Medici neu eingerichtete Bildhauerschule vorgeschlagen. Die Skulpturenkunst spielte fortan in seinem Werk die wichtigste Rolle.

Orte seines Schaffens, wichtige Werke und Auftraggeber

Michelangelos künstlerisches Leben bewegte sich zwischen seinen Auftraggebern in den Städten Florenz, Bologna und Rom. Er arbeitete für die Medici und die Aldrovandi, aber auch für das gehobene Bürgertum und die Zünfte. Die monumentale David-Skulptur, entstanden 1501 – 1504 für die Wollweberzunft, steht heute in Kopie auf dem Platz vor dem Palazzo Vecchio in Florenz. 1503 kam der erste Auftrag aus dem Vatikan: Ein Grabmal für Papst Julius II, für das Michelangelo neben der berühmten Moses-Figur und dem Bildnis des Papstes zwei Sklavenbildnisse arbeitete, die heute im Louvre zu sehen sind. In Rom krönte Michelangelo sein künstlerisches Werk mit der Weiterführung des Baues des Petersdomes und prägte den Bau durch die Gestaltung der Kuppel, die Deckenfresken der sixtinischen Kapelle und die Pietà, die anrührende Skulptur von Maria mit dem toten Christus, die 1498/99 als Auftragsarbeit für Kardinal Rohan de St. Denis entstand.

 

 

Aktdarstellung im Werk Michelangelos

Die Abbildung nackter Körper war zur Zeit Michelangelos nur legitim, wenn der religiöse Kontext des Kunstwerkes dies erforderte. Die Faszination, die die Darstellung des nackten, männlichen Körpers auf Michelangelo ausübte, ist jedoch gerade an seinen ausdrucksvollsten Werken offensichtlich. So sind bei der Pietà die außerordentlichen Fähigkeiten in der Darstellung nackter Muskeln und Adern des erschlafften Christuskörpers erkennbar. Nur Leonardo da Vinci hat gleichartige Anatomiestudien des menschlichen Körpers betrieben. Auch die David-Statue, ein Symbol für die kraftvolle und gerechte Herrschaft der Gebieter über die Stadt Florenz, zeigt in Ebenmaß und Schlankheit der Körperglieder ein Verständnis der Proportionen, das Vorbilder der Antike erreicht, diese in Körperhaltung und Lebendigkeit aber noch übertrifft. Ein weiteres Beispiel für präzise Kenntnis der Anatomie des Männerkörpers und seine Übertragung in Marmor zeigt sich in den Sklavenskulpturen, die bei der Arbeit am monumentalen Grabmal Julius’ II entstanden. Beide erreichen den David im Ebenmaß der Proportionen, beeindrucken aber mit der Darstellung der unterdrückten Dynamik, die der rebellierende Sklave zeigt und mit der sehr sinnlich wirkenden Körperhaltung des sterbenden Sklaven.

Auch in Zeichnungen und Fresken zeigt sich die Aktdarstellung männlicher Körper als vorrangiges Motiv Michelangelos. So bieten die als Entwurf für eine Wand des Ratssaales des Palazzo della Signoria in Florenz entstandenen Zeichnungen auf Karton zahlreiche Varianten nackter Körper in dynamischer Bewegung. Das Motiv, sich in den Fluten des Arno abkühlende Soldaten, die plötzlich zur Schlacht von Cascina gerufen werden, zeigt eine unübertroffene Lebensnahheit in der Abbildung der angespannten Muskeln und Nerven. Zeitgenössische Künstler, darunter Raffael Sanzio, Ridolfo Ghirlandaio, und Jacopo Pontormo lobten diesen Entwurf als höchste Leistung der Kunst und nutzten ihn zu Studienzwecken.

Mit der Gestaltung der Decke der sixtinischen Kapelle ab 1508 gelang Michelangelo sein malerisches Meisterwerk und sein heute noch berühmtestes Aktbildnis: Eine der Schöpfungsszenen zeigt Gottvater und Adam nach dessen Erschaffung. Insgesamt waren nach Vorstellung der Kurie aber viele der insgesamt fast 300 Figuren zu freizügig, weshalb nach dem Tod Michelangelos zahlreiche nackte Stellen großzügig mit aufgemalten Feigenblättern bedeckt wurden, die erst bei den Restaurierungen der 80-er und 90-er Jahre des letzten Jahrhunderts wieder entfernt wurden.

Für die Aktmalerei und die Kunstgeschichte stellt das Vermächtnis Michelangelos in Malerei und Skulptur eine unerschöpfliche Quelle dar. Die Antike wird durch seine Kunst wiedergeboren und erhält neuen Ausdruck und Dynamik. Seine umfassende Kenntnis der menschlichen Anatomie bot eine Quelle der Inspiration für zeitgenössische und spätere Künstler, wie Raffael Sanzio und Tizian.